2017-05-16
Schwer wiegt die Last, die Schultern schmerzen schon seit langem, machen das Gehen ein wenig zur Qual. Doch den Sack – mit wertvollen Dingen prall gefüllt – will ich mir nicht von meinem Kreuze nehmen lassen. Zu oft ist er mir schon abhanden gekommen, ging verloren, und ich musste mühsam und angestrengt nach ihm suchen. Ich sehe schon das Licht meiner Heimstatt, es grüßt mich mit besonderer Wärme. Ein Seufzer entspringt meinen vor kalter Luft brennenden Lungen, und zerstiebt in einer Wolke aus eitlem Wohlgefallen. Mein Dahinstapfen wird langsamer, gemächlicher, und ich versuche mir die wunderbaren Dinge in Erinnerung zu rufen, deren ich im Laufe meines Lebens habhaft geworden bin.
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2017-05-13
Die Kluft wähnt sich wie eine Verhöhnung aller Freiheit: Ich sehe sie dort drüben, die Hand hoch haltend und mich grüßend. Keine Brücke ist zu finden, kein Weg dorthin auszumachen, wohin mein Herz mich zieht. Fest hält mich auf meiner Seite nur der Verstand. Sich über den gähnenden Schlund zu wagen, wäre leichter als man denkt. Doch sind die Konsequenzen nicht abzuwägen, die ein solches Hinüberschreiten mit sich ziehen würde. Ich sehe sie, sie sieht mich. Ihre Rufe, die durch ein Echo verzerrt werden, klingen noch immer wie die schönste Melodie des Universums, auch wenn ich ihrer nicht habhaft werden kann.
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2017-05-08
Wie der Frühling auf den Winter folgt, so folgt die Tatsache auf das Potential. Das Herz wird ruhig, der Verstand schweigt. Die Dämmerung bricht herein, und irgendwo in der Ferne leuchtet schwach jenes so sehnsüchtig erhoffte Ziel. Dieser Zustand hat etwas sehr Friedliches, etwas Beruhigendes. Zugleich gibt er sich aber als schlafender Löwe zu erkennen. Dieser ist bereit, beim kleinsten Lärm die Augen aufzuschlagen, und mit lautem Brüllen auf die Unwürdigkeit der Neophyten zu reagieren, die sich so achtlos in dieses Reich der Erkenntnis vorgerwagt haben.
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