Allgemein
2022-04-22
Es ist die Eitelkeit, die mich mein Tempo erhöhen lässt. Ich will sehen, wie ich gedeihe. Was mir im Wege steht, will ich beiseite rücken, will es zerstören, wenn es mich in meinem Streben hindern sollte. Die Technologie ist nur ein Vorwand, um meine Schwingen endlich und ohne schlechtes Gewissen ausbreiten zu können. Wer mir nun noch immer im Wege stehen sollte, hat sein Schicksal selbst besiegelt. Ist meine Geschichte auch voller Neid, Missgunst und voll Tod, so ist die Zukunft, die ich dadurch bereiten konnte, es allemal Wert gewesen. Vom Werkzeug brauchenden Menschen habe ich mich nur scheinbar zum vollständig vernetzten Wesen entwickelt. Das ist alles nur ein Vorwand gewesen, um mich zu verwirklichen. Bin ich auch in dieser modernen Zeit immer in stetigem Fluss, so lasse ich mich doch von der Vergänglichkeit umgarnen wie ein Kind vom süßen Rufen der mütterlichen Brust: ich sehe mich trotzdem als meinen eigenen Herren, auch wenn ich es niemals hätte sein können. Mehr...
2022-02-22
Erst rasseln die Säbel, dann fliegen die Kugeln und dann fließt das Blut. Der Stolz des Menschen war schon immer größer, als seine Einsicht, entgegen einem Gefühl von Versagen vor der Vernunft zu kapitulieren. Niemand wird später wohl Gefallen daran gefunden haben, in dreckigem Morast und Gestank neben seinem Leidgenossen elendig zu krepieren. Wie naiv der Mensch doch sind, wenn er einer Utopie verfallen ist, die ihm nach seinem Leben als höchsten Einsatz Glück und Seligkeit verspricht! Es wird keine Helden geben, keine Siegreichen oder Opfer, es wird nur unnötiges Leid und sinnlosen Tod geben. Im geschichtlichen Zusammenhang mögen dann in der Zukunft Wissende ihre Schlüsse aus dem Ungemach der Vergangenheit ziehen. Die Gefallenen werden in den Annalen nirgends erwähnt werden. Sie werden verstummte Zeugen einer Zeit sein, in der große Persönlichkeiten zur Aktion aufgerufen haben, um dann die Beschworenen sogleich im Feuer des Wahnsinns verheizt zu haben. Mehr...
2021-11-10
Die Menschen sind wild geworden, haben ihre Furcht in Misstrauen umgewandelt. Bald wird es wohl soweit sein, und sie werden sich wie eine hungrige Meute von Wölfen auf mich stürzen. Sie werden mich umzingeln, ihre Zähne fletschen und die scharfen Krallen ausfahren. Ihre Leiber werden sich vor Wollust und Gier aufbäumen, und ihre Augen werden mich – das von ihnen auserkorene Opfer – nicht mehr loslassen. Dann wird es einen Moment geben, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Die wahnsinnigen Rufe und Schreie, das entmenschlichte Gejaule wird in die Ferne rücken. Leise und sanft werden die Häscher verschwinden. Die Bewegungen werden langsamer, die Welt wird wie eingefroren sein. Dann werde ich im Zentrum meiner Seele stehen, und einen Augenblick der Vollendung und Gelassenheit erfahren. Dann werde ich meine Augen schließen, und ich werde den Zwängen – wenn auch nur kurz – entschwinden. Mehr...