Beständig drängt sich eine Frage in meine Wahrnehmung: Wann wird es endlich genug sein? Die menschliche Welt ist geplagt von Krisen, von Vertrauensverlust und von der Panik vor der Zukunft. Einst waren wir mit unserem Platz auf dem Planeten zufrieden, bitteten um Gnade in einem Sein, das vor Gefahren nur so strotzte. Heute ist das anders. In unserem Streben, alles beherrschen zu wollen, machen wir nicht davor halt, auch das letzte Sanktum zu entweihen. Das Leben ist für uns zu einer Ware geworden, designbar und reproduzierbar nach unserem Belieben.
Wir scheinen nicht verstanden zu haben, dass wir Teil eines Größeren sind. Eingebettet in einem Netz aus Verbindungen bringen unsere Handlungen die Saiten der Auswirkungen zum Schwingen. Verstehen wir uns als isolierte Individuen, die wie kleine Atome aus dem Sein herlösbar sind, dann entgeht uns eine grundlegende Erkenntnis: Alles ist von Bedeutung. Diese Erkenntnis könnte uns mürrisch stimmen, uns den Appetit auf das Leben verderben. Statt uns dieser Erkenntnis zu öffnen, versuchen wir uns, aus dem Ganzen herauszulösen, ihm unsere Stirn zu bieten. Wir wollen keine Bedeutung vorgeschrieben bekommen, wir wollen uns unsere eigene schaffen.
Doch wie ein Mensch in der Lehre erst lernen muss, ein Handwerk zu inkorporieren, bis es zu seiner zweiten Natur geworden ist, dümpeln wir ohne Anleitung in einem Reich aus Möglichkeiten umher. Die Optionen sind so umfangreich, deren Kombinationen eröffnen die Unendlichkeit. Und just sind wir wieder mit der Allumfänglichkeit konfrontiert, die uns unseren so hart herbeigewunschenen Platz im Universum streitig macht. Genug ist es mit dem Wollen, wir veräußern unser Wissen, quantifiziert in Maschinen, die uns nun Sinn geben sollen. Wir wollen nicht mehr selber denken, fühlen und erschaffen, uns reicht der Takt der Technik als Leitfaden für ein gelungenes Leben. Und so schließt sich der Kreis wieder, und wir können nun eins mit einer Welt werden, die für uns produziert wird.
Grüße, gup.
