2020-09-29
Es gibt sie, diese Tage: Man will Gelb, es gibt nur Grün, man will nach rechts, links wäre besser gewesen, man geht mit dem Kopf durch die Wand, in unmittelbarer Nähe hätte sich eine Türe befunden. Ein Muster ist klar erkennbar. Die Offenheit der eigenen Vernunft ist dann durch emotionale Besessenheit ausgehebelt – letztere stellt sich einem quer, und versagt einem das Glück. An solchen Tagen kann man nur verlieren, sich wie ein verwundetes Tier zurückziehen, und versuchen, die Wunden zu lecken. Alle Unternehmungen scheinen wie verhext zu sein, und nichts will Früchte tragen. Wem sollen wir für solche Zeiten die Schuld geben, ihn oder sie verdammen, die Fäuste erheben und hoffen, dass dem unglücksbringenden Menschen bald durch das Karma Einhalt geboten wird. Sind wir doch so weise und heilig, so rechtschaffen und gut, dass uns nichts Ungutes widerfahren darf.
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2020-09-16
Erst sind wir dicht gedrängt, halten uns fest und schenken uns Wärme. Innige Umarmungen geben uns das Gefühl des Ganz-Seins. Entbunden schweben wir durch den Raum, lassen uns auf den Wellen der Welt treiben. An nichts mangelt es uns. Das Wenige, das wir zum Leben brauchen, ist immer in greifbarer Nähe. Wer verlangt schon nach Milch und Honig, wenn er Liebe und Freude besitzt? Mit der Zeit dann beginnt sich die Bande zu lösen, von schwerer Kraft gezogen werden wir uns gegenseitig entrissen. Erst ist es nur ein fühlbar leichter Ruck, später dann ein gewaltiges Momentum, das nun zu unserem Gebieter wird. Wie sehr wir auch zurück zueinander wollen, es wird uns wohl nie wieder gelingen.
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2020-07-18
Endlich alleine! Nur ich und meine Angst… also doch nicht ganz so einsam. Gemeinsam gehen wir schon so lange des Weges, dass sie mir irgendwie lieb geworden ist. Sie ist doch so zierlich und schüchtern, versteckt sich immer bei der kleinsten Ungereimtheit hinter meinem Rücken. Ihre Zerbrechlichkeit macht sie so beschützenswert, gibt mir ein väterliches Gefühl der Fürsorge. Ihr kann ich doch nichts übelnehmen, wo sie es doch nicht besser weiß. Würde sie doch nur einmal loslassen und entspannen, dann machte ihr so schnell nichts mehr zu schaffen. Ich spiele es irgendwie gerne, dieses Spiel des Lebens. Aufstehen, frühstücken, die Gedanken langsam in Schwung bringen, sich die Zehe am Tischbein stoßen, und dann ganz unflätig schimpfen – all das ist doch so menschlich!
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