2019-12-24
Der eigenen Schönheit zu verfallen, ist ein Leichtes, wenn die Außenwelt einem das gleiche Urteil inbrünstig bekundet. Für sich genommen ist jeder schön, perfekt und so vollendet, wie einen die Natur nur hat hervorbringen können. Die Hinterhältigkeit entsteht aber dort, wo sich mehrere zum gemeinsamen Beschluss treffen. Hier wird konspiriert, asoziiert und kritisiert, was um des Himmels Willen sein muss, und was der Verachtung anheim fallen kann. In diesem vitiösen Umfeld, das die Grundlage der Unbarmherzigkeit darstellt, kann nur derjenige bestehen bleiben, der es versteht, sich über die Maße zu profilieren. Seine Wünsche über die der anderen zu stellen, ist an sich nichts Verwerfliches. Erst wenn daraus ein Nachteil für die Umwelt erwächst, kann moralisiert werden. Und nicht einmal die Antwort auf die vermeintlich egoistische Missetat scheint gerechtfertig. Sind doch diese kleinen Imperfektionen die Ursache für die Gesellschaft, so wie sie heute besteht.
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2019-12-11
Der Ruf ist bis zum Himmel gedrungen. Er war vorher lange durch die Wolken gereist, bis er schließlich seiner Bestimmung treu geworden ist. Er ward nicht auf taube Ohren gestoßen, sondern glich einem freudigen Erbitten eines Nachschlags einer Speise, die vom ersten Bissen an das Paradies auf Erden bewirkt hat. Mochte das Unwetter auch den strahlenden Sonnenschein für lange Zeit verhindert haben, letztlich war es nicht der Herr über Glück und Zufriedenheit. Als wieder die sanfte Stille eingekehrt war, mangelte es nicht mehr an freudigen Erwartungen. Wohl war die Spur der Verwüstung klar zu sehen, welche die dunklen Wolken hervorgerufen haben, und lange sollte sich die Erde nicht davon erholen. Doch bei genauerem Hinsehen zeigten sich die zarten Sprossen des Neubeginns. So verletzlich, aber auch so elegant wanden sie sich aus den Trümmern der Verwüstung. Sie waren die Vorboten eines neuen Äons, sie waren die Kinder der Räson.
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2019-11-13
Die Stille ist eine wahre Freundin. Sie zeigt mir stets den besten Weg. Bin ich denn in einem Käfig aus Stimmen, Gewirr und Trubel gefangen, so brauche ich nur ihrem Ruf zu folgen. Einen roten Teppich legt sie für mich aus, den es zu beschreiten gilt. Meist ist es erst schwer, sich loszulösen, um dem Narrenhaus zu entfliehen. Aber je mehr ich meine Sinne auf den Pfad der Erleichterung konzentriere, um so klarer liegt mir das ersehnte Ziel vor Augen. Dann winde ich mich zwischen den Menschen hindurch, scheue deren Kontakt nicht mehr, weil ich weiß, dass es bald vorüber sein wird. Erst sind die Schritte hastig, ja nahezu unüberlegt, aber wenn sich dann die Massen lichten, wird mein Schreiten gemächlicher. Dann zieht mich die Ruhe in ihren Bann. Zärtlich reiche ich ihr meine Hand, und gemeinsam reisen wir zu den Sternen.
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